Wussten Sie, dass die Weihnachtsgeschichte, wie man sie heute erzählt,
gar nicht an einem Stück in der Bibel steht? Tatsächlich gibt es im Neuen
Testament unterschiedliche Berichte über die Geburt von Jesus. Wir erklären,
warum...
Es mag überraschen, wie unterschiedlich die jeweiligen Bibel-Berichte
über die Geburt von Jesus sind. Und doch ging jeder der Autoren sehr sorgfältig
an dieses Ereignis heran:
Das Markus-Evangelium
Markus war der erste, der das Leben von Jesus schriftlich festgehalten
hat. Er selbst war der Dolmetscher von Petrus, dem ersten Jünger Jesu. Sein
Evangelium schrieb er in erster Linie für die nicht-jüdische Elite der
damaligen Zeit. Das erklärt, warum er manches aus dem Leben von Jesus betont,
anderes weglässt.
Im Markus-Evangelium wird die Geburt von Jesus nicht erwähnt.
Man geht davon aus, dass er den elitär geprägten Heiden dadurch deutlich machen
wollte, dass nicht die Herkunft einen Menschen definiert. Vor Gott zählen nicht
Bildung, Besitz oder Ansehen, er sieht auf das Herz.
Das Matthäus-Evangelium
In diesem Bericht fehlt der Name des Verfassers, deswegen ist nicht
ganz geklärt, ob der Autor einer der zwölf Apostel oder ein anderer
jüdisch-christlicher Augenzeuge war. Fest steht, dass er im Kontrast zum
Markus-Evangelium einen detailgetreuen, nachprüfbaren Stammbaum auflistet, der
Jesus als direkten Nachfahren des Stammvaters Abraham und des Königs David
ausweist. Matthäus richtete sich mit seinem Evangelium an sein eigenes Volk.
Schon im Bericht von Jesu Geburt sollen die Leser begreifen: Jesus ist der lang
ersehnte Messias.
Der Autor berichtet von den Sterndeutern aus dem Orient, die keine
Kosten und Mühen scheuen, um dem neugeborenen König zu huldigen. Von der
Machtgier des Herodes, vom Kindermord, um mögliche Rivalen auszuschalten. Von
der Flucht nach Ägypten und zurück – eine interessante Parallele zwischen Jesu
Leben und der Geschichte des Volkes Israels. Ausdrucksstark weist er darauf
hin, dass Jesus die Prophetien der Heiligen Schriften erfüllt. Als einen König,
der alle Autorität im Himmel und auf Erden hat.
Das Lukas-Evangelium
Lukas war Grieche und ein enger Freund des Apostel Paulus. In seinem
Evangelium versucht er, alles genau der Reihe nach zu schildern. Jesu Geburt,
sein Wirken, sein Leben, der Tod und die Auferstehung. Er war berührt davon, wie
viel Liebe Gott für die Randgruppen der Gesellschaft hat und schreibt umfassend
darüber, wie Jesus mit Frauen, Kindern, Kranken, Armen und Verachteten
umgegangen ist.
Sein Bericht über die Geburt Jesu ist die ausführlichste
Weihnachtsgeschichte in der Bibel. Fasziniert hält er fest, dass der Engel die
frohe Botschaft zuerst einer Frau verkündet, der Mutter von Jesus. Dass Jesus
bei seiner Geburt obdachlos war und in eine armselige Futterkrippe gelegt
wurde. Dass die ersten Zeugen einfache Hirten waren. Lukas ist beeindruckt von
der Hingabe und Liebe des allmächtigen Gottes, der klein wird und den Menschen
begegnet, die in der Gesellschaft nicht viel zählen.
Das Johannes-Evangelium
Ganz anders ist das Evangelium des Johannes. Man geht davon aus, dass
er einer der zwölf Jünger war und seinen Bericht an die griechisch-sprechenden
Heiden im Römischen Reich adressiert. Johannes beschreibt das Kommen und Wirken
Jesu aus geistlicher Sicht. Dass Jesus als 'das Wort Gottes' schon vor Beginn
der Welt existierte, dass alles durch ihn geschaffen wurde. Seine irdische
Geburt umschreibt er mit den lyrischen Worten: «Und das Wort wurde Fleisch und
wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit.» Das Johannes-Evangelium
legt seinen Fokus auf die göttlichen Attribute von Jesus. Er berichtet weder
von einem Stall noch von Hirten, sondern davon, dass Jesu Geburt das wichtigste
Ereignis der Weltgeschichte ist. Gott wurde Mensch und sein Licht leuchtet in
der Finsternis.
Die vier Evangelien sind deshalb so unterschiedlich, weil jeder der
Autoren das hervorhebt, was ihn persönlich berührt und fasziniert hat. So sind
verschiedene Berichte überliefert, die sich auf wunderbare Weise ergänzen und uns
helfen, ein bisschen von dem zu verstehen, wer Jesus war. Und wer ist Jesus für
Sie?
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