Kennst du Situationen in deinem Leben, bei denen du rückblickend bereust, es damals nicht getan zu haben? Wenn dein Vorhaben die Menschen in deinem Umfeld nicht voll aus der Bahn werfen wird, dann probiere es einfach aus und rechtfertige dich später.
Die meisten Menschen neigen dazu, aus einem emotionalen Impuls heraus Dinge abzulehnen, die
sie im Nachhinein ohne Schwierigkeiten akzeptieren können. Genau deshalb kritisieren wir regelmässig Menschen, die den Mut haben, etwas zu tun, anstelle die zu kritisieren, die nur zuschauen
oder gar vom Seitenrand her gute Ratschläge aufs Spielfeld rufen. Wenn der im schlimmsten Fall
mögliche Schaden überschaubar und irgendwie wiedergutzumachen ist, dann ist es am einfachsten, wenn du anderen gar nicht die Gelegenheit gibst, Nein zu sagen. Viele Menschen sind schnell
bereit, dich zu bremsen, bevor du überhaupt angefangen hast. Genau diese Menschen zögern jedoch, sich dir in den Weg zu stellen, wenn du bereits unterwegs bist.
Weniger wagemutige Menschen probieren schon im Voraus, sich für alle erdenklichen Ereignisse abzusichern. Am Ende starten sie dann doch nicht, weil es
schlichtweg unmöglich ist, in allen Dingen eine einhundertprozentige Sicherheit zu
erhalten. Veränderung ist für viele unangenehm. Es erfordert am meisten Energie,
etwas erst mal in Bewegung zu setzen. Die Trägheit zu überwinden, benötigt einen
enormen Kraftaufwand.
«Fortschritt verdanken wir den Nörglern»
Der englische Schriftsteller Herbert George Wells brachte eine provokative Erkenntnis zu Papier: «Den Fortschritt verdanken wir den Nörglern. Zufriedene Menschen
wünschen keine Veränderung.» Übe dich in kreativem Ungehorsam und entschuldige dich bereitwillig, wenn tatsächlich etwas schiefgelaufen ist.
Hast du manchmal neue Ideen oder würdest gern etwas verändern – hast
aber Angst, andere könnten darüber negativ urteilen? Bereust du, dass du
dich in der Vergangenheit schon einmal von der Meinung anderer hast
ausbremsen lassen?
Am Sabbat heilen
Jesus wusste ganz genau, dass er das religiöse Establishment der damaligen
Zeit empören würde. Er hätte den Gelähmten an jedem anderen Tag der Woche heilen können, aber er entschied sich für ein Wunder am Sabbat (Johannes, Kapitel 5, Verse 1–18). Nur kurze Zeit danach haben seine Jünger – es war bereits wieder
Sabbat – am Rande eines Getreidefeldes Ähren abgerissen und die Körner gegessen (Lukas, Kapitel 6, Verse 1–4). Jesus war ein Wiederholungstäter, denn etwas später hat
er wieder an einem Sabbat bei einer Frau einen bösen Dämon ausgetrieben
(Lukas, Kapitel 13, Verse 10–14). Jesus stiess die Pharisäer mit grosser Absicht und wiederholt
vor den Kopf.
Wenn wir in unserem Leben Jesu Spuren folgen, dann werden wir unterwegs
ein paar Pharisäer der Neuzeit verärgern. Es wird sogar Situationen geben, in
denen wir etwas tun, was wir sonst unterlassen. Aber Achtung, das ist jetzt kein
Freiticket dafür, einfach alle Gesetze zu ignorieren. Es ist vielmehr die Erlaubnis,
gegen menschengemachte Regeln zu verstossen, die Gott keine Ehre machen.
Über viele Jahrhunderte hinweg stellten die Pharisäer eine umfangreiche Liste mit religiösen Geboten und Verboten zusammen (Mitzwot). Ganze 39 dieser
Verbote beinhalteten Verhaltensregeln für den Sabbat. Nummer 321 zum Beispiel setzte die maximale Gehdistanz von gut 900 Metern fest. Dieses Mass
galt jedoch erst 62 Meter ausserhalb der Stadtmauern. Konkret bedeutete dies,
dass sich niemand weiter als 962 Meter von den Stadtbegrenzungen entfernen
durfte.
Als Jesus dem Gelähmten sagte: «Nimm deine Matte und geh!», hüpfte, rannte und sprang dieser wie wild umher. Für die Pharisäer waren auch nicht die
Schritte des geheilten Mannes das Ärgernis, denn er befand sich immer noch
innerhalb der Stadtmauern. Es war die Tatsache, dass er die Matte mit sich herumtrug, was am Sabbat ebenfalls verboten war.
Jesus folgen, nicht den Regeln
Es ist ein sehr grosser Unterschied, ob ich Jesus folge oder zwanghafte Regeln
einhalte, die sämtliche menschlichen Freiräume verunmöglichen. Wer Jesus
folgt, wird niemals Gottes Gesetz brechen wollen, aber möglicherweise Vorschriften, die Menschen gemacht haben. Und damit werden wir ein paar Pharisäer der Neuzeit verärgern. Die Pharisäer zu der Zeit von Jesus haben vor lauter
Paragrafen den Durchblick verloren. Sie wollten Jesus töten, weil er ihr Monopol
der selbstgemachten Gesetze in Frage stellte. Sie waren für das Wunder blind,
das direkt vor ihren Augen geschah, weil sie nicht über ihre Traditionen und
selbstgezimmerten Regelwerke hinwegsehen konnten.
Pharisäer der Neuzeit gibt es immer noch in allen Ausprägungen: Sie geben Anleitungen in Sachen Kleiderordnung, Musikstil, Verhaltensregeln, Ausrichtung
der Möbel, Mondphasen- und Sonnenstand-Abhängigkeit und vielem mehr.
Genau solche von aussen oder von innen auferlegten Gesetzmässigkeiten, Traditionsmuster und kulturellen oder religiösen Scheuklappen sind es, die uns
davon abhalten, Wunder wahrzunehmen.
Um Wunder zu erleben, muss man manchmal die einengenden Regeln und
die «ungeschriebenen Gesetze» gewisser Menschen brechen.
Dieser Text stammt aus dem Buch «Bibel Coaching» (Fontis-Verlag) von Philippe Hauenstein. Das Buch ist im Livenet-Shop erhältlich.